Politik, Unternehmertum und Technik

Die neue Weltunordnung: Wie die alte Ordnung zerbrach

2002 schwärmte der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Beziehungen des US-Senates:


„Kein russischer Staatschef seit Peter dem Großen hat sich so sehr mit dem Westen verbündet wie Wladimir Putin.“


Der Name dieses Senators war Josef R. Biden. 20 Jahre später findet sich derselbe Biden, seines Zeichens nun Präsident der Vereinigten Staaten, als erbittertster Gegenspieler Putins bei dessen Invasion in der Ukraine.

Politik und Medien sprechen mit der Invasion von einer Zeitenwende, als Russland einseitig und mit kriegerischen Mitteln versuchte, völkerrechtlich anerkannte Grenzen zu verschieben. In der politischen Sphäre und unter Wirtschaftspolitikern etablierte sich seither ein neuer Ausdruck: Geoökonomik. Dieser beschreibt die wirtschaftspolitischen Instrumente wie Gaslieferungen, Getreideexporte, Handelssanktionen essenzieller Güter und Technologien, um andere Länder unter Druck zu setzen und diesen den eigenen Willen aufzuzwingen. In Berlin, Brüssel, London und Washington war man entsetzt als Russland diese Waffen nach Jahrzehnten des Friedens gegen sie eingesetzt hatte. Dabei war die Geoökonomik nie weg gewesen – nur hatte es bisher keinen gegeben, der es mit der wirtschaftlichen Macht des vereinten Westens aufnehmen hätte können.

Hatte man sich im Westen dem Glauben hingegeben, in einer Welt von Stabilität, internationaler Abkommen und Regeln zu leben, an die sich alle zu halten hatten, sah man dies in anderen Teilen der Welt anders: denn es war der Westen, der die Regeln zu seinem Vorteil geschrieben hatte und sie auch umging, wenn es opportun war. Für sie war Geoökonomik immer präsent indem sich der westliche Wirtschaftsräume wie die EU oder die USA abschotteten, Exportbarrieren schliffen und Sanktionen einführten, wo es ihnen opportun erschien. Entsprechend überrascht war man dort, als sich nur wenige Länder des globalen Südens ihrem Handelskrieg gegen Russland anschlossen – ganz im Gegenteil, sogar Profit daraus schlugen, wie Indien.

Was war zwischen Joe Bidens Lob für Wladimir Putin 2002 und der großflächigen Invasion der Ukraine 2022 passiert, dass das westliche Regelwerk für breite Teile der Welt nicht mehr als Pfad zu Wohlstand und Freiheit attraktiv erschien. Doch war es das in Wahrheit jemals oder exportierten westliche Länder nicht viel mehr Instabilität und Armut, während sie selbst die Vorteile aus der Globalisierung zogen.

Um dieser Frage nachzugehen begeben wir uns in die Rolle des Advocatus Diaboli und nehmen die Sicht von Regimen wie in Peking und Moskau ein. Dieses Mal steht eine wahre Weltreise an: als der Internationale Währungsfonds im Namen Washingtons eine kompromisslose Liberalisierungspolitik während der ASEAN-Krise in Südost-Asien erzwang. Immer wieder begegnet und Georgien, repräsentativ für viele ehemalige Sowjetrepubliken und als neoliberale Reformen das Land in eine Spirale aus Repression, Autokratie und Revolution zwang. Wie die arabische Welt in einem revolutionären Frühling erblühte und der Westen Diktatoren applaudierte, als diese die jungen Ägypter wieder in einen brutalen Polizeistaat zwangen. Wir besuchen Indien, als es hunderte Millionen der eigenen Bauern während der Freihandelsverhandlungen gegen amerikanische Begehrlichkeiten verteidigte und sich zusammen mit China westlichen Regeln zu geistigem Eigentum entzog und so ihren gewaltigen wirtschaftlichen Aufstieg begründeten. Wir begleiten die USA wie es Regimechanges in Osteuropa und Südamerika durchführt und dabei Demokratie und Selbstbestimmung über Bord wirft, sowie Europa, wie es durch Chaos und eine Kakophonie diffuser Werte den Untergang der Ukraine besiegelte.

Wir erzählen, wie schließlich das Pendel zurückschlägt. Mit immer stärkeren Rivalen kehrt Instabilität, Ungleichheit, Spaltung und Populismus wie ein Vorschlaghammer zurück nach Europa und Amerika. Unter dem Eindruck des Kontrollverlustes wurden auch autoritäre Instrumente immer attraktiver, um Interessengegensätze zu übertünchen und die eigenen Netzwerke und Gruppen in vorteilhafte Positionen zu bringen. In seinen Dimensionen noch sehr weit entfernt, aber im Prinzip Zustände, wie man sie süffisant nur Ländern des globalen Südens zuschrieb.

Tatsächlich zeichnen wir ein düsteres Bild der Welt und stellen das Selbstbild des Westens als Heilsbringer für Frieden und Wohlstand massiv in Frage. Mehr noch, zeichnen wir Amerikas Realpolitik als Hegemon und Imperium, wie jedes andere, das keine moralische Erhabenheit für sich beanspruchen kann. Ebenso verbinden wir die Punkte zwischen Wohlstand und Demokratie, Handel, Geoökonomik, Instabilität und Diktatur um uns den komplexen Zusammenhängen einer prosperierenden Gesellschaft zu nähern. Als Belege für unsere gewagten Aussagen stützen wir uns auf Quellen wie die Weltbank oder den Internationalen Währungsfonds und international anerkannte Zeitschriften.


Mehr dazu in Cycling Economics – Die neue Weltordnung

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